18. September, 2006
Die unendliche Geschichte Teil IV
Hmm, wie fängt man sowas an. Ich probiers mal so. (Achja, es ist mir übrigens scheiss egal, wenn ich dafür verklagt werde.)
Kapitel 1
Vor einem Monat offenbarte mein geliebtes Auto einen Defekt. Es ruckelte gar fürchterlich, was auf ein Aussetzen eines oder mehrerer seiner Zylinder hindeutete. Also suchte ich die Werkstatt meines Vertrauens auf und man fand den Defekt schnell in zwei verkohlten Zündkerzen. Die knapp 80€ für die ich an der Uni etwa 10 Tage arbeiten muss zahlte ich gern, war ich doch der Hoffnung nun wieder mobil zu sein.
Kapitel 2
Ein Tag war vergangen mein repariertes Auto ruckelte jetzt nicht mehr, überhaupt nicht mehr, es sprang nämlich nicht mehr an. Manchmal zuckte es kurz und war dann doch aus. Erst nach minutenlangen Versuchen zeigte es Lebenszeichen (Gott schütze meine Batterie). Ich suche erneut die Werkstatt auf. Erste Diagnose am Telefon: Irgendwo ist ein Grat der irgendwas am drehen hindert. Auf die Frage ob solche Gräte oft entstehen, während bei ihm die Zündkerzen getauscht werden, erhalte ich keine Antwort. Man beschliesst das Auto nochmal zu untersuchen. Vier Tage später (währenddessen fahre ich Mercedes :-D, bzw Klaus der Fussballgott nimmt mich zum Training mit…) erhalte ich eine neue Diagnose. Verruste Ventile sorgen dafür dass Treibstoffrückstände im Zylinder verbleiben, die beim folgenden Zündvorgang eine Fehlzündung verursachen. Hmm, kann sein. Das Vorführexperiment “Abklemmen des einen Zylinders” erscheint überzeugend. Man bietet mir an die Ventile zu erneuern, wofür ich 500 bis 600€ bezahlen soll. Ich frage nach Alternativen. Diese wird in Form einer Spülung mit anschliessendem Ölwechsel durchgeführt. Bei Abholung gibt man mir den Rat das Auto mal richtig zu bewegen. Auf der Heimfahrt benutze ich innerorts nur noch zwei Gänge und ausserorts fahre ich wie zu meinen schlimmsten Zeiten. Auch wenn die nostalgischen Erinnerungen an frühere Strassenrallys wieder erwachen, so beschliesse ich das Freibrennen meines Autos auf die Autobahn zu verlagern. Ich plane eine Fahrt in den Leipziger Zoo (wie berichtet). Am Morgen der Reise verbringe ich 40 Minuten damit mein Auto anzulassen. Obwohl ich bereits eine Woche mit einen Durchschnittsverbrauch von geschätzten 30Litern/100km unterwegs gewesen bin.
Kapitel 3
Voller Wut beschliesse ich die Werkstatt zu wechseln. Ich frage nach Empfehlungen und entschliesse mich zum Autohaus Traut [ http://autohaus-traut.de/ ] zu gehen. Auch wenn der Laden dem eines Gebrauchtwagenhändler aus einem miesen Film ähnelt, so denke ich ständig an die Empfehlungen. Man verspricht mir eine kostenlose Fehlerdiagnose.
Kapitel 4
Nachdem ein Tag vergangen ist, erkundige ich mich nach dem Zustand meines Fahrzeugs. Die neue Diagnose. Ventile super, Zündkabel kaputt. Man bestellt einen Satz Zündkabel (die Dinger die ich zu Simson-Zeiten noch als Meterware gekauft habe, kosten jetzt etwa 100€). In Abwesenheit von Alternativen blieb mir auch kaum eine Wahl. Nachdem die Zündkabel eingebaut sind. Erhalte ich einen Rückruf, dass sich mein Anlasser komisch anhöre. ???? Den hatte ich an dem Tag der Abgabe 40 Minuten angehört und der klang normal. Auch als der Wagen vor Ort Richtung Hebebühne fuhr klang er normal. Da ich mein Bankkonto nahezu erschöpft habe, lehne ich eine Erneuerung dankend ab.
Kapitel 5
Der Tag der wiederkehrenden Mobilität scheint gekommen. Hmm, der Wagon wird geholt und mit laufendem Motor übergeben. Damit ist die Chance auf ein Testen der Kaltstartfähigkeit vertan. Beim Holen des Wagens heulte der Motor kurz auf, was ich zu der Zeit nicht bedenklich fand. Ich bezahle 170€ für die Kabel und die Summe aus Einbau und (Kostenloser?!?) Diagnose. Mit dem Hinweis, dass man die Stunden nicht genau nimmt, um mich nicht arm zu machen. -Ich denke im Wilden Westen haette so ein Spruch schon für ein drittes Nasenloch gereicht und der Richter haette einem Recht gegeben.
Ich begebe mich auf die Heimfahrt. Zuvor allerdings noch ein Zwischenstop auf Nadines Abschiedsparty. Um 01:30 fahre ich nach Hause. Halt, ich will nach Hause fahren. Mein Anlasser quietscht in mir unbekannten Lauten. Der geht nicht demnächst kaputt, der ist kaputt. Jetzt macht auch das Laufenlassen des Motors bei Spritpreisen jenseits der 1,30€ Sinn. Berg sei dank und das gedankliche Ignorieren des Kats hauchen meinem Motor Leben ein. Ich verfluche dieses schmierige Arschloch und fahre nach Hause. Kurz vor Kahla erlebe ich eine weitere Episode. Beim beschleunigen täuscht mein Auto Aquaplaning vor - rascher Anstieg der Drehzahl bei Verringerung der Geschwindigkeit - weil Aquaplaning bei staubtrockener Strasse doch eher unwahrscheinlich ist. Halte ich an. Beim Betätigen der Kupplung trete ich ins Leere. Zumindest fühlt sich mein Pedal so an. Unter einem unüberhörbaren Schlag kupple ich so sanft es eben noch geht den 4.Gang ein und schleiche nach Hause. Dort angekommen ergibt auch das Aufheulen bei der Übergabe wieder Sinn.
Kapitel 6
Heute war der Tag gekommen an dem ich zumindest meinem Ärger Luft machen konnte. Ich rufe an, zuerst habe ich den Mechaniker an der Leitung der mein Auto brachte. Er will von einem komisch klingenden Anlasser nichts gemerkt haben. (Hmm, also wie der geklungen hat weiss ich auch nicht, denn den hat mir ein anderer Mechaniker am Telefon beschrieben. Ich selbst hatte VOR dem Autohaus Traut einen ganzen Anlasser und DANACH einen kaputten. Die Übergangsphase durfte ich nicht miterleben.) Kupplungssachen haben mit Anlasser nichts zu tun und können daher nicht von ihnen beschädigt worden sein. Mein Handy klingelt und der Chef des Hauses ruft mich zurück um mir zu erklären, dass es auch in der Physik vorkommen kann (ich muss erwähnt haben, was ich mache), dass viele unvohersehbare Dinge auf einmal passieren.
Stimmt, es steht in keinem Widerspruch zur Statistik wenn einer 1Mio mal hintereinander mit nem normalen Würfel eine Sechs würfelt. Aber wetten würde ich darauf nicht.
Naja, die sehen mein Auto jedenfalls auch nicht wieder, wer weiss ob beim nächsten mal rein zufällig meine Bremsen oder sonstige Teile genau auf der Heimfahrt kaputtgehen. Vor allem, wenn man beim Verlassen des Büros noch den Tipp bekommt, die Rechnung noch nicht abzurechnen, falls noch etwas dazu kommt…
Eins weiss ich, wenn meine Diktatur kommt, dann richte ich jeden Freitag öffentlich 10 Automechaniker hin - nur so zur Abschreckung.
PS: Köh, du haettest natürlich Immunität, denn wie es aussieht musst du jetzt mein Auto bauen.
Nachtrag: Ich hatte vergessen zu erwähnen, dass mein Auto bisher
erst 50000km gefahren ist…
7 Kommentare to “Die unendliche Geschichte Teil IV”
Jaja, die Sache mit den Autos… wenn man keinen kennt, ders kann, oder selbst Know How und Werkzeug und Zeit dafür hat, können die Werkstätten einen ganz schön ausziehen. Aber wies ausschaut hast du ja eh auch einen fähigen Mann in Aussicht, oder? Warum hast du nicht gleich den “Köh” gefragt?
Dirty Harry am 18. September, 2006 um 21:58
so was ist kacke. die können einen nach strich und faden verarschen, und man hat keine chance. aber sehr lustig geschriebener blog, muss ich mal sagen.
kief am 18. September, 2006 um 22:44
Naja, zuerst war ich mit der Werkstatt immer zufrieden, und dann war Köh im Urlaub.
vsh am 18. September, 2006 um 23:26
köstlich! *rofl*
tut mir natürlich leid um dein gefährt…aber sonnst…köstlich!
ps: um wut ab zu bauen, darfst du heute auch mal wo drauf schiessen…versprochen!
stb am 19. September, 2006 um 09:01
Irgendwie kommt mir so eine Odysse bekannt vor. Allerdings war es bei mir die Einspritzpumpe (Neupreis 1700€ - für nen 10 Jahre alten Corsa) - beim Einbau entdeckt man, dass das Getriebe hinüber ist, das wiederum hängt irgendwie an der Olwanne (brauche also beidens) und dass ein Radlager den Geist aufgegeben hat. Hab die Kiste nun an nen Bastler verkauft und mir nen Golf III mit Hagelschaden zugelegt. Die Kiste ist zwar hässlich, aber sie fährt und das ohne zu Murren.
A propos KFZler Pfusch. Ich hatte mal mein Motorrad zur Inspektion in ner Werkstatt und die haben beim Bremsflüssigkeitswechsel vergessen mir wieder Bremsflüssigkeit einzufüllen, nachdem sie die alte Bremsflüssigkeit abgelassen haben. Ich schick Dir gerne deren Adresse für Deine Freitagsveranstaltung.
Haderlump am 19. September, 2006 um 10:33
Den Polo hat Traut eigentlich immer super hinbekommen, echt komisch. Vielleicht sind sie aber nicht so versiert mit Reisschüsseln.
wollushin am 19. September, 2006 um 14:58
[...] Grade habe ich bei vsh seine Odysee durch verschiedene Werkstätten und das im Endeffekt immernoch defekte Auto gelesen. Da ist mir gleich wieder eingefallen, dass ich ja noch über meine erste und bisher letzte Panne mit Harry (englische Sprechweise bitte) berichten wollte. [...]
World of C » “Mein Auto und ich.” oder “Einfach mal liegen bleiben.” am 20. September, 2006 um 16:39